Ich bin zunehmend der Meinung, dass in japanischen Firmen KI-Tools wie automatische Übersetzungen oder Meeting-Zusammenfassungen in bestimmten Fällen beim Aufbau echter Kommunikationsfähigkeiten sogar schaden können!
Das wichtigste Werkzeug für jeden japanischen Mitarbeitenden, unabhängig von Position oder Abteilung, ist der kompetente Umgang mit der englischen Sprache.
Kommunikation bedeutet nicht einfach, eine Botschaft aus dem Japanischen zu nehmen und die einzelnen Wörter durch englische zu ersetzen.
Ob bei der Zusammenarbeit mit lokalen Teammitgliedern oder bei der Führung hiesiger Teams braucht es ein tieferes Verständnis von Sprache und kulturellem Kontext. Denn Kommunikation ist nicht das, was man sagen möchten, sondern das, wie unsere Botschaft von Kollegen, Mitarbeitenden und Kunden aufgenommen wird.
Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit der Personalleiterin eines sehr großen japanischen Unternehmens.
Ihrer Meinung nach nehmen die Kommunikationsfähigkeiten auf japanischer Seite im Durchschnitt ab (mit Ausnahme der Japaner/innen, die bereits gut Englisch sprechen).
Sie bezog sich dabei insbesondere auf japanische Mitarbeitende, die sich beim Sprechen auf Englisch unsicher fühlten und deshalb in Meetings (Übersetzungen, Zusammenfassungen usw.) sowie bei E-Mails zunehmend auf KI-Tools verließen.
Sie drückte es so aus:
„KI-Übersetzungstools sind das Gegenteil echter Kommunikation, da sie lediglich den virtuellen Anschein einer Unterhaltung vermitteln. Neben Grammatik und Wortschatz sind kulturelles Verständnis, Empathie und ein echtes Interesse am Gegenüber entscheidend, um wirklich zu kommunizieren."
Ich vergleiche dieses Phänomen häufig mit der Suche nach einer Wunderwaffe für ein Problem, die sich aber langfristig als nachteilig erweist.
Wer ein Musikinstrument lernt, dann aber sofort ein KI-Gerät anschließt, das, sobald man die Finger bewegt, alles von alleine spielt, wird das Instrument niemals beherrschen lernen.
Natürlich beschränkt sich dieses Dilemma nicht auf Japan. Dennoch beobachten wir dieses Problem bei vielen unserer Kunden besonders deutlich. (Hier finden Sie einen weiteren Artikel zu diesem Thema.)
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat JCO ein neues 10-wöchiges Trainingsprogramm entwickelt (1 Stunde pro Einheit), das japanischen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, die eigenen Kommunikationskompetenzen gezielt zu üben, also z.B. Diskussionen führen, Feedback zu geben, zu präsentieren und Meetings zu leiten.
Das Programm ist eine praxisnahe und interaktive Mischung aus Business English für konkrete Szenarien (in jeder Einheit ein anderes Szenario), leichtem Coaching sowie Rollenspielen. (Hier Details zum Programm)
(Nikolaus Mach-Hour, Leiter German Office / VP global Strategy)