Japan ist dafür bekannt, Handwerkskünste auf die absolute Spitze zu treiben, was sich wiederum auch in internationalen Wettbewerben widerspiegelt.
Wenn es bei der Weltmeisterschaft der Patisserie um das "das beste Croissant der Welt" oder bei der „World Skills“ Competition (eine Art Olympiade des Handwerks!) um „die beste Autokarosserie Reparatur“ oder „die tollste Auto Lackierung“ geht, sehr oft stehen Japanerinnen und Japaner auf dem Siegerpodest.
In vielen anderen Artikeln auf dem JCO Blog wurden bereits Konzepte wie „Kaizen“ (ständige Prozessverbesserung in kleinen Schritten) oder „Genba“ (Vor-Ort-Qualitätssicherung) beschrieben.
Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Streben nach Perfektion jeden Aspekt Japans durchdringt.
Ein interessantes Beispiel:
Ein JCO Trainer aus Deutschland ist nicht nur Übersetzer, sondern auch leidenschaftlicher Schreiner.
Da Japan für eine ganz besondere Art der Schreinereikünste bekannt ist, wie z.B. Holzverbindungen ganz ohne Metall oder Leim, war der Kollege letztes Jahr als Kurzzeit-„Lehrling“ bei einem japanischen Scheinerei-Sensei in Shizuoka.
Er erlebte dort genau die Art von „Lehre“, die den traditionellen japanischen Managementstil ausmacht.
Soll heißen, einen Mangel an konkreten, verbalen Anweisungen, sondern einen starker Fokus auf das „Genau-zuschauen“, um sich selbst Abläufe und Kniffe zu erschließen.
(Das nennt man auch „nusunde-oboeru“, also „Wissen stibitzen“).
Des Weiteren gab es anstelle von Lob und Ermutigung bei eigenen Fortschritten eher Ermahnung und Kritik im Stile von „dieses und jenes ist noch nicht gut genug, also gleich noch einmal“ .
Hierin lässt sich sehr gut der traditionelle japanische Führungsstil erkennen, der sich sehr stark von hiesigen Vorstellungen moderner Leadership unterscheidet.
Obwohl sich in vielen japanischen Unternehmen seit Mitte der 2010er Jahre nicht zuletzt durch den Generationenwandel viel bei Führungs- und People Management Themen getan hat, gibt es weiterhin besonders im produzierenden Gewerbe nicht wenige japanische Führungskräfte (bis hin zum President), die die eigene Rolle nicht als „People Leader and Motivator“ verstehen.
Dies fehlende Bewusstsein stammt aber nicht von Faulheit oder Widerwillen, sondern basiert auf der Annahme, das man auch bei allen lokalen Mitarbeitenden automatisch urjapanische Tugenden wie „individuelle Motivation durch den Boss ist nicht nötig, denn wir geben alle immer 100%“ voraussetzen kann.
Die gute Nachricht ist, dass auch japanische „old-school“ Manager/innen moderne Management Skills beherrschen lernen können!
So zum Beispiel in unserem tollen offenen Workshop „Managing local staff effectively“, in dem es genau um diese Themen geht! Sehr praxisorientiert mit Case Studies und Role plays!
Efficiency Booster: Managing local staff effectively (in Japanese)
Hier noch ein letztes Quiz:
Was genau sehen wir hier auf dem Foto von einem Schreinerei Treffen, bei dem unser JCO Kollege in Japan dabei war?

Es ist einer der Gewinner des "wer kann die längsten und dünnsten Holzspäne abziehen" Wettbewerbs...
denn in Japan kann man durch die Späne hindurch Zeitung lesen!
Dieses Perfektions-Mindset macht Japan so besonders!